Donnerstag, 11. Dezember 2008

Von Felten Welten-Productions* präsentiert

Ein Augenwurm-Refrain

Kliklack, kliklack macht die Nikon heute wieder. Kliklack. Die Welt ist voller Bilder, die von ihr festgehalten werden wollen. Die Bilder sind wie Lieder - Refrains gibt es viele. Es gibt Kabel-Refrains. Kabel, Kabelsalate werden immer wieder von der Nikon und von der Lumix angezogen. Es gibt Toiletten-Refrains. Kliklack - ein WC aus türkisgrünen "Plättli". Kliklack - ein rosa geblumtes WC. Und es gibt Wolken-Refrains. Farbige Wolken, dichte, graue Nebelwolken, weisse Schäfchenwolken, rosa Kitschwolken für verlorene Romantiker, Regenwolken, Wolken, Wolken, Monsterwolken und Federkissenwolken. Kliklack, immer wieder kliklack. ("Die Kamera macht nicht kliklack" hat Toby gesagt. Ich habe noch einmal hingehört. Meine Nikon macht aber klicklack. Die Lumix macht zuerst pssst dann plägg, wie ein Tropf, der aus dem undichten Wasserhahn platscht. Manchmal macht sie auch pssstpssstpssst. Sie weiss nicht, was scharf werden soll und ich denke "Löu, mach doch mau plägg, süsch isch der Momänt scho verbi, woni wott festhalte!" [Meine Kameras sind alle maskulin, obwohl sie kein "Schnäbi" haben], und wenn sie dann immer noch pssstpssst macht, denke ich "Gigu!", dann macht sie extra nicht mehr plägg und lacht mich aus...)
Die Refrain-Bilder und alle anderen Bilder, die die Melodie dazwischen singen, kommen auf den MacProBookLaptop, verschwinden in verschiedene Ordner unter "Meine Dateien", "Persönliches". Dort verfallen die Liederbilder in einen Winterschlaf, der auch durch den Sommer andauert. Sie werden abgelegt, und sie werden vergessen.
Die Nikon und die Lumix halten Bilder fest, um Bilder festzuhalten, als wollten sie etwas gegen die Vergänglichkeit ausrichten, als wollten sie ein Stück Zeit festhalten. Sie halten sich krampfhaft fest an den vergänglichen Zeitliederbildern, die dann doch im Abgrund eines Computers verschwinden. Und die Bilder beginnen zu streiten. Sie streiten einen Bilderstreit, einen Machtkampf. Sie messen sich und treten vor ihre Eltern, die zweiäugige Jury - meine Augen. Sie wollen nicht zu einer sinnlosen Datei im tiefen Abgrundschaos eines MacProBooks werden. Sie wollen Bilder sein. Ist das zu viel verlangt? Sie wollen zu den privilegierten Bildern gehören, die ich - Narzisstin von Geburt an und aus Leidenschaft - meinen 294 besten Facebook-Freunden aufzwinge. Oder sie wollen gar einen Platz auf meiner Homepage ergattern. Sie wollen Lieder singen, Melodien und Refrains trällern. Aber sie werden Opfer eines brutalen Selektionsverfahrens. Sie werden Opfer der Mehrklassenbildergesellschaft und werden gnadenlos aussortiert, als gäbe es einen Bilderrassismus unter den farbigen Bildern und auch unter den schwarz-weissen Bildern.
Kliklack, kliklack und wieder werden neue Liederbilder geboren. "Es gibt schon zu viele von uns!" Schreien die Liederkinderbilder ihre Augeneltern an. "Ihr könnt doch nicht noch mehr von uns gebären. Ihr werdet uns schon jetzt nicht gerecht!" Dann hören die Nikon und die Lumix für eine Weile auf zu klicken und pläggen, für ein paar Stunden, manchmal sogar für ein paar Tage. Dann ist es still. Keine Lieder mehr, keine Ohrwurmrefrains, Augenwurmrefrains mehr, und ich werde traurig.
Plötzlich fängt ein blau-weisser Kugelschreiber an zu kritzeln. Er macht chchchtchtchtchchchchcht chtcht. und es entstehen Worte. Worte werden Sätze, Sätze werden wieder Bilder, Wortbilderlieder. Dann stimmt die Nikon wieder mit ein und die Lumix. Sie singen im Chor von Wolken, von Toiletten, von Bahnhöfen und Kabelsalaten, von Wänden, von Schnee, von Fussballtoren und wieder von Wolken. Sie nehmen sich wichtig, zu wichtig vielleicht. Aber sie machen mich glücklich.
Und sie lachen und sagen "Du bist gar keine Fotografin. Du bist eine verlorene Bilderfesthalterin, Bildersucherin, Bildersammlerin."
Ich will aber lieber eine Bildersängerin sein.
Kliklack, kliklack, pssstpssspssst. "Gigu!"


* Von Felten Welten-Productions: Ein Non-Profit (es ist so gekommen) und No-Art-Demand (but much fun and a little narcism) Projekt von Regine von Felten

Sonntag, 7. Dezember 2008

Von Felten Welten-Productions* präsentiert

...und immer wieder dieses Rot



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Donnerstag, 4. Dezember 2008

Von Felten Welten-Productions* präsentiert

Der Sternenblues

Sie hört die Wellen rauschen. Rhythmisch plätschern sie unaufhaltsam gegen die Steine. Die Zeit vergeht, die Zeit vergeht, die Zeit vergeht, scheint das Wasser schon fast spöttisch zu flüstern. Ich weiss, ich weiss, ich weiss, denkt sie. "Wieso sagt ihr mir das immer wieder? Wollt ihr mir mit eurem Wellenfluss den Boden unter den Füssen wegziehen?" fragt sie und richtet ihr Gesicht gegen den Himmel. Die leuchtenden, kleinen Punkte tanzen am schwarzen Himmelmeer. Sie tanzen, werden grösser und kleiner, sie zerplatzen und sprühen Sternschnuppen in alle Richtungen. Trotz dem wilden Tanz erkennt sie den Orion. Viel mehr Sternbilder kann sie ohnehin nicht benennen, aber den Orion, den würde sie immer erkennen. Die drei Sterne seines Gürtels sind unverkennbar. Wie oft sie den wohl schon betrachtet hat, den Orion? Wenn die Sternpunkte nicht gerade den Blues tanzen, sehen die Bilder am Himmel immer gleich aus, Nacht für Nacht und lassen vergessen, dass die Zeit vergeht, vergeht, vergeht, wie es die Wellen zu flüstern pflegen. Die Sterne sind ihr Anker - wenn auch der Anker der Sehnsucht, der Anker der Melancholie. Sie hat schon früher oft auf dem Balkon gestanden und den Nachthimmel angefleht, ihr Flügel zu verleihen, damit sie im Sternenmeer schwimmen kann wie ein Fisch, wie ein Vogel – ein Weder-Fisch-noch-Vogel, wahrscheinlich. Sie wollte sogar einmal Astronautin werden und auf den Mond fliegen - die erste Frau auf dem Mond, die den Mann im Mond besucht. Da es ihr aber auf dem Karussell schon nach der ersten Umdrehung übel geworden ist, hat sie diesen Plan irgendwann verworfen. Dennoch hat sie die Sterne immer wieder betrachtet und mit ihnen über den Sinn und Unsinn des Lebens diskutiert – vielleicht müsste man der Genauigkeithalber sagen: einen Monolog geführt, denn die Sterne haben sie kaum zu Wort kommen lassen. Sie haben auf sie eingeredet mit ihren lieblichen Sternensilberstimmen bis sie fast eingeschlafen wäre. Dann ist sie aufgestanden und hat sich höflich für das Gespräch bedankt. Sie hat sich nie beklagt, dass ihr die Sterne nie zuhören wollen, denn ihre Fragen wurden auch ohne zu fragen beantwortet. Deshalb hat sie sich immer wieder auf die Erzählungen der Sterne eingelassen, sich ins Gras neben die Birke gelegt und einfach in das Glitzern gestarrt, bis ihr davon schwindlig geworden ist und die nackte Haut vom Rasen zu jucken angefangen hat. Manchmal hat sich auch vorgestellt, sie wäre in der Zukunft, sie wäre in einem Raumschiff und würde durch die unendlichen Weiten des Weltalls segeln, auf der Suche nach fremden Galxien. "Beam me up, Scotty!" hat sie oft in die Nacht gerufen. Natürlich wusste sie, dass das Raumschiff Enterprise mit ihrer zweihundertmannstarken Besatzung zu weit weg war, um ihre Rufe zu hören. Die Enterprise war zu weit weg im All, zu weit weg in der Zukunft – oder war sie in der Vergangenheit? – und ausserdem hatte sie ja keinen Communicator.

Die Sterne haben jetzt aufgehört zu tanzen. Wahrscheinlich sind sie müde geworden (oder si si am Blues mittlerwyle e halbe Schritt vorus). Die Geschichten, die die Sterne heute zum Besten geben, sind etwas wirr. Sie kann den Sätzen kaum folgen, und manchmal glaubt sie sogar, sie sprächen in einer ihr fremden Sprache. Sie schaut zurück ins Wasser. Die Wellen melden die Zeit vergeht, die Zeit vergeht, die Zeit vergeht. Ich weiss, ich weiss, ich weiss, denkt sie und flüstert spöttisch zurück "und es ist gut so, dass die Zeit vergeht, die Zeit vergeht, die Zeit vergeht." Die Wellen sind zwar stur, aber nicht trotzig, denn obwohl sie erstaunt sind über ihre Antwort – das hat sie nämlich noch nie gesagt – hören sie nicht auf zu fliessen und sagen die Zeit vergeht, die Zeit vergeht, die Zeit vergeht. Heute sind die Wellen mein Anker, denkt sie. Natürlich ist ihr klar, dass Wasser nicht ein Anker sein kann, aber das ist ihr egal. Sie hat ja früher auch schon gewusst, dass ein Fisch nicht durch das Sternenmeer schwimmen kann und hat es trotzdem immer wieder versucht. Bereut hat sie diese Versuche nie. Sie steht auf bedankt sich höflich bei den Wellen und trotzdem auch bei den Sternen für das Gespräch. Sie fühlt sich zwar immer noch wie ein Weder-Fisch-noch-Vogel ohne Flügel und ohne Kiemen, aber vielleicht sollte sie einfach einmal versuchen durch das Wasser zu fliegen, anstatt durch den Himmel zu schwimmen. Ein Versuch wäre es auf jeden Fall wert, denkt sie und geht.


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Dienstag, 2. Dezember 2008

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Sweeeeeet




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Montag, 1. Dezember 2008

Von Felten Welten-Productions* präsentiert

Nei, Nei, Nei

In der einen Hand die neuen Bilder und die hundert kleinen Hefte mit der Geschichte zu den Bildern, gut verpackt in einer Plastiktüte, in der anderen Hand die Trainingstasche und einen duftenden Gemüsekuchen. Ich bin hungrig an einer Bäckerei vorbei gegangen. Dem Kuchen konnte ich unmöglich widerstehen - auch wenn ich schon beim betreten des Ladens etwas verwirrt überlegt habe, wie ich den während dem Gehen mit zwei bepackten Händen essen sollte. Ich musste den Kuchen haben, so einen warmen, duftenden Gemüsekuchen mit Lauch, Broccoli und Käse. Nun gehe ich also mit knurrendem Magen Richtung Bahnhof, in der einen Hand die Arbeit, in der anderen Hand die Trainingstasche und eben den blöden Kuchen. Nur noch fünf Minuten bis zum Bahnhof, denke ich und mein Bauch faucht zurück. Noch fünf Minuten, dann kann ich abbeissen, versuche ich meinen Magen zu beruhigen, aber das Knurren, das zurückkommt, klingt ziemlich wütend und auffordernd. Ich weiss, ich muss ihn ignorieren und mich meinen Gedanken widmen. Mit Worten ist der Magen nicht mehr zu besänftigen. Die Abstimmungen sind vorbei und es bleibt beim Alten. Mir säge immer nume nei, nei, nei, nei. I gloube, dass es angers grad gar nid geit. Mit Fortschritt hei mirs öpe angers gmeint (Zitat: Männer am Meer, 2x Nei) Die Hälfte der Kiffer hat vergessen abzustimmen. Sie haben vergessen, dass das Abstimmungswochenende schon gestern war. Ou shit, isch das jtz scho düre...? Mhm, und die Initiative wurde abgelehnt. Die Kiffer haben vergessen abzustimmen. Sie haben vergessen, dass es in der gestrigen Abstimmung ums Kiffen ging un das das eventuell noch wesentlich sein könnte. Oder war es ihnen egal? Isch mir doch öpe glich, öb ds Kiffe legal oder illegal isch. I kiffe ja so oder so. Ja dann... Oder wir machen es einfach so wie die Polizei gesagt hat, als sie einen 3o jährigen Freund wegen einem Joint mit Handschellen abgeführt haben: Jtz suuffisch eifach eine, zwe meh, anstatt z kiffe! Mhm, das ist jetzt einmal eine progressive Idee. Die Polizei hat die Einnahmen von Bussen auf Ende Jahr doch noch ein bisschen erhöhen können, wir trinken einfach zwei, drei Biere mehr und wenn wir dann auf die offene Strasse kotzen, können sie gleich noch einmal eine Busse einziehen, wahrscheinlich einfach ohne Handschellen. Hauptsache die Droge ist legal. Dann unterbricht wieder das Knurren meines Magens meine Gedanken. Er muss sich immer wieder einmischen. Ich gehe schnurgerade durch das Gedränge in der Stadt und blicke auf den Boden. Ich sehe Menschenbeine, ausweichende Menschenbeine und denke an meine ersten Versuche, mich durch den Bahnhof Zürich zu kämpfen. Ich bin aus dem Zug gestiegen und wollte zur Schule während der Zürcher Rushhour. Menschenkörper spülten auf mich zu, überschwemmten mich. Der überwältigende Menschenfluss aus Menschenkörper drängte mich in die Richtung zurück, aus der ich gekommen war - zurück nach Zürich West (Altstetten, wo ich gewohnt habe, ist in Zürich West, Anm.d.Red). Ich versuchte auszuweichen, weil ich in die Gegenrichtung schwimmen wollte. Das war kein respektvolles Ausweichen, wie man das vor älteren Menschen tut. Ich wich Menschen jeden Alters aus und mein Ausweichen glich mehr einer Flucht, gleich einem Reh, das dem gefährlich glänzenden Lauf des Gewehrs zu entrinnen versucht. Manchmal bin ich extra nicht ausgewichen - wenn ich in wütender Stimmung war. Das hat aber jedes Mal in einem Desaster geendet: Ein Zusammenstoss, Flüche aus zwei Richtungen (aus Zürich Ost und West) und ich war danach noch wütender als zuvor. Immer musste ich schlängeln. Nie konnte ich den schnellsten, den geraden Weg durch die Masse nehmen. Ich war zu einem Ausweicher geworden. Ein Ausweicher, der weicht vor Gross, Klein, Alt und Jung. Irgendwann - vielleicht nach einem Jahr in der vermeintlichen Hauptstadt der Schweiz - habe ich angefangen diese schier unerträgliche Situation zu analysieren und dabei ist mir aufgefallen, dass die Menschen, die den geraden Weg wählen und durchziehen können, die schauen irgendwo hin, aber nie in die Augen - überhaupt nie in die Augenhöhe - der fliessenden Masse. Ich habe das ausprobiert. Ich habe in den Himmel geguckt, wie der Hans (Hans guck in die Luft, Anm.d.Red). Ich habe nach links geschaut, wenn die Leute von rechts auf mich zuströmten. Ich habe nach rechts geschaut, wenn die Leute von links kamen. Ich habe auf den Boden geschaut und ich sah die Menschenbeine, wie sie wichen. Ich habe auch probiert auf Augenhöhe ins Leere zu schauen. Ich habe den Blick auf Unscharf gestellt, wie wenn ich die verstecken Bilder in das magische Auge finden wollen würde. Auch das hat funktioniert - meistens. Die Menschen haben wahrscheinlich realisiert, dass ich sie nicht wahrgenommen habe, dass ich sie ignoriert habe - wie ich meinen Magen ignoriere. Sie wichen mir aus. Zusammenstösse erlitt ich nur noch selten und nur mit Neulingen im Bahnhof, der nur Rushhours kennt. Die Flüche nach dem Aufprall waren selten Züridütsch, sondern klangen meist nach Berndeutsch (du blöde Gigu - du blöder Penis), Welsch (casse-toi - verzieh dich), Bündnerdeutsch (abfahra - hau ab) oder Deutsch (fick dich ins Knie - schlaf mit deinem Knie), Baslerdeutsch (du blöde Sagg - du blöder Sack) und so weiter und so fort. Ich setze mich auf die Bank auf Perron 2, stelle die Taschen auf den Boden und reisse das Papier vom Gemüsekuchen und will endlich beissen. Das ist ja gar kein Gemüsekuchen. Das ist ein Käse-Speckkuchen. Ich entferne den Speck Stück für Stück (Ich bin Vegetarier). Als ich in den mittlerweile lauen Kuchen beisse, stelle ich mir vor, es wäre der duftend heisse Gemüsekuchen aus meinen Gedanken und denke, mit Ignoranz kommt man weit. Man kann damit Hunger unterdrücken, ein speckloser Speckkuchen in einen Gemüsekuchen verwandeln, Menschen zum Ausweichen zwingen und immer zu allem NEI sagen.


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Donnerstag, 27. November 2008

Von Felten Welten-Productions* präsentiert

In Memoriam Bo, Ibbo, Zauber-Bo & Michael

Gestern war ich beim Hautarzt. Das Muttermal am Bauch hat sich immer wieder entzündet, seit Jahren - besonders im Winter, wenn die vielen Kleiderschichten daran gescheuert haben. Ich habe es Dr. Kunz gezeigt. Es sei ein harmloses Mal, hat er gemeint, aber er könne es schnell entfernen und jetzt gleich. Jetzt gleich? Tut das nicht weh? Habe ich gefragt. Das ist eines meiner Lieblingsmuttermale, es heisst Zauber-Bo. Habe ich gedacht.

Als ich drei Jahre alt war, haben meine Freunde Stöffi, Thommi, Chligi, Maac, Andlea und Jan geheissen. Und dann hatte ich noch unsichtbare Freunde. (Hat eigentlich jedes Kind unsichtbare Freunde?) Meine unsichtbaren Freunde - ich hatte deren Vier - hiessen Bo, Ibbo, Zauber-Bo und Michael. Eigentlich waren sie gar nicht unsichtbar. Es hat sie einfach nie jemand anderes gesehen. Ich weiss nicht mehr viel von ihnen. Sie waren meine Freunde, meine Brüder, Söhne. Ich habe ihnen leere Teller zum Hauseingang gestellt, orange und gelbe Plastikteller, damit sie ungestört von Erwachsenen essen konnten, und ich weiss noch, dass Zauber-Bo zaubern konnte. Einmal, als er wütend war, hat er mich in Nyffenegger’s Garage gezaubert, in die dunkle Garage unserer Nachbarn. Darin hatte es Eulen mit giftig gelben Augen, die mich aus der Dunkelheit angefunkelt haben. Sie wollten mir mit ihren Krallen die Augen ausstechen. Zauber-Bo hat abgeschlossen, das Tor und die Seitentür. Ich hatte grosse Angst und war wütend über Zauber-Bo. Die anderen drei wollten mir helfen, aber sie konnten nicht, weil sie nicht zaubern konnten. Ich auch nicht. Ich musste warten, bis mich jemand befreit hat. Bis zu diesem Vorfall habe ich sie alle vier gemocht, jeden auf seine Art. Bo war einfach Bo, der Älteste. Ibbo und Michael waren beide schüchtern, aber Zauber-Bo wurde immer aufmüpfiger. Wenn es nicht nach seinem Kopf ging, hat er mich einfach weggezaubert oder er hat meine Spielsachen geklaut - natürlich auch durch Zauberei. Zum Beispiel hatte ich drei Holzfiguren, zwei gelbe mit schwarzen Haaren und eine graue mit braunen Haaren. Marcä habe ich sie alle drei genannt (was wahrscheinlich das Plural von Marc sein soll, Anm.d.Red). Auf einmal waren nur noch zwei Marcä da. Jahre später, als Zauber-Bo schon längst über alle Berge war, hat meine Grossmutter diesen gelben Marc im Garten ausgegraben. Die Figur war abgeschabt und verblichen. Ich habe sie mit Filzstiften wieder angemalen, aber richtig schön wurde dieser Marc nie wieder... Mir war sofort klar, dass musste Zauber-Bo gewesen sein, der meinen Marc in die Erde gezaubert hat. Wie sonst kommt eine kleine Holzfigur in ein Gemüsebeet? Zauber-Bo wollte mich ärgern. Er war schon immer der frechste, aber am Anfang hat er die Zauberei positiv für mich eingesetzt - dafür habe ich ihn ursprünglich erfunden - aber das Ganze ist mir manchmal aus dem Ruder geraten, besonders als sie älter wurden, als ich älter wurde. In diesen Momenten habe ich die Idee mit der Zauberei verflucht. Bo, Ibbo, Zauber-Bo und Michael waren nicht immer bei mir. Sie waren plötzlich da, und genau so schnell, wie sie gekommen waren, konnten sie auch wieder weg sein. Sie kamen nur, wenn ich alleine war. Wenn andere Menschen in meiner Nähe waren, egal ob Erwachsene oder andere Kinder, haben sie sich versteckt und Zauber-Bo hat sich unsichtbar gemacht. Deshal habe ich ihr Verschwinden zuerst gar nicht bemerkt. Irgendwann sind sie einfach nicht mehr gekommen. Sie waren weg - alle vier. Als mir ihre Absenz bewusst geworden ist, war mir sofort klar, dass sie nie wieder zurückkommen würden. Ich habe sie aber nie vermisst. Ich habe an sie gedacht, manchmal, mich etwas leer gefühlt ohne sie. Aber vermisst habe ich sie nicht. Sie sind gegangen, als sie genug alt waren, um zu sich selber zu schauen. Sie sind gegangen, als ich genug alt war, ohne sie auszukommen. Oder habe ich sie selber weggeschickt?

Zu ihrer Erinnerung habe ich dann meine Lieblingsmuttermale nach ihnen benannt. Damit sie wissen, dass ich an sie denke. (Blöderweise hatte ich nur drei Lieblingsmuttermale und eigentlich vier unsichtbare Freunde... Wenn aber einer der Vier Verständnis für diese missliche Lage haben würde, dann war es Michael. Das war mir klar. Und ausserdem gibt es Menschen mit dem Namen Michael wie Sand am Meer, was man von Bo, Ibbo und Zauber-Bo nicht gerade behaupten kann. Deshalb gibt es kein Muttermal mit dem Namen Michael.) Das Muttermal neben meinem rechten Auge heisst nun also seit diesem Tag, seit etwa 24 Jahren Bo. Das über meinem rechten Mundwinkel heisst Ibbo und das am Bauch ist Zauber-Bo.

Jetzt lag ich auf den Schragen. Ich habe mich nicht getraut Dr. Kunz zu sagen, dass ich an diesem Muttermal hänge. Was hätte ich sagen sollen? Sie dürfen Zauber-Bo nicht entfernen, das ist mein Lieblingsmuttermal. Ich will mich zuerst noch verabschieden. Dr. Kunz hat mir alles erklärt (dass er es zuerst betäubt und dann erst wegschneidet, wenn es nichts mehr spürt). Ich habe noch einmal nach unten geschielt. Ich habe es noch einmal berührt, als niemand geschaut hat. Eine brennende Spritze stach unter die Haut, unter das Mal, unter Zauber-Bo. Die Haut ist angeschwollen zu einem Hügelchen. Ein Skalpell schnitt die dunkle Erhebung weg. Es wurde ausgelöscht, er wurde ausgelöscht. Da wo einmal Zauber-Bo war, ist jetzt eine Wunde, ein Loch. Ich habe mich nicht getraut Dr. Kunz zu fragen, ob ich Zauber-Bo mitnehmen darf, in einem Glas wie die ersten ausgefallenen Zähne. Was hätte ich sagen sollen? Ich will die sterblichen Überreste vom Zauber-Bo-Muttermal in einer kleinen Urne mitnehmen. Und jetzt liegt das Mal irgendwo in einem Abfallsack. Wahrscheinlich ist es tot. Ehrlich gesagt, glaube ich nämlich nicht, dass ein Mal ohne Mensch weiterleben kann. Aber wahrscheinlich ist Zauber-Bo sowieso schon damals gestorben, als ich vier war und er verschwunden ist, und das Muttermal war längst nur noch ein Mahnmal, Mahnmale für die drei Bo's. Jetzt ist die Wunde - später die Narbe - das Mahnmal an das Zauber-Bo-Muttermal-Mahnmal. Trotzdem, ich fühle mich etwas leer ohne Zauber-Bo, fast so, als hätte er mich gestern noch einmal verlassen.


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Dienstag, 18. November 2008

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Zimmer Nummer 128

Check-in 24h stand auf einem grünen Schild an der Eingangstür. Ich trat ein und stand in einem langen, leeren Gang erhellt durch grelles Glühbirnenlicht - kein Fenster. 24 Stunden Check-in und 24 Stunden das gleiche Licht, dachte ich. Meine letzte Nacht in Skandinavien habe ich in einem Instant-Hotel verbracht, ein Hotel direkt am Flughafen, ein Nicht-Ort (Marc Augé: Orte und Nicht-Orte. Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit. S. Fischer, Frankfurt 1994.), ein Transitraum. Ich habe niemandem gesagt, wo ich übernachte. Ich habe die Stadt schon am Abend verlassen, weil ich am nächsten Tag früh abfliegen musste. Ich hatte keine Lust mehr auf eine einsame Shopping-Tour und war schon am späteren Nachmittag aufgebrochen zum Flughafen. Niemand wusste, wo ich war. Ich wusste selber nicht mehr, wo ich war, ob ich überhaupt noch war, oder ob ich während dem Wechsel von einem Ort zum Nicht-Ort irgendwo hängen geblieben war. Ich bekam von einer schönen, unfreundlichen Dame am Ende des langen Gangs eine Karte mit der Nummer 128, meine Zimmernummer. "On the left side", sagte die Dame und zeigte in eine Richtung. Es gab keine weiteren Erklärungen, nur die Karte mit der Nummer und eine Richtungsangabe. Ich war froh, dass die Dame unfreundlich war, das liess mich darauf schliessen, dass sie keine Instant-Dame war, sondern ein menschliches Wesen und ich mich wahrscheinlich nicht irgendwo zwischen den Realitäten befinden konnte. Ich nahm die Karte und drehte mich zum Gehen um. Ein grauer Mann stand hinter mir. "One night? Number 129" sagte die Dame. 102, 104, 106...126, 128. Ich, die Nummer 128 schleppte meine Koffer zu meiner Tür und trat ein. Ein weiterer leerer Raum tat sich vor mir auf - eine nackte Röhre an der Deckenmitte, wieder kein Fenster. Ich drückte auf den Lichtschalter. Entblössendes, wütendes Licht schlug auf die nackten, fahlen Wände und prallte auf meiner Netzhaut auf. Ich zog das Bett aus der Wand. Ein Wandschrankbett, dachte ich. Einen Tisch konnte man auch aus der weissen Wand ziehen und es hatte einen Stuhl, aber kein Bild, keinen Spiegel, nur der Stuhl, weisse Wände und Wandschränke - wer hier wohl seine Kleider in den Schrank einräumt? Ich fühlte mich in diesem Raum wie ein Instantkaffeekorn in einer sonst leeren Neskaffee-Dose. Eine Türe führte in das Instant-Badezimmer, so gross wie ein halbes Zugabteil, wie ein Lift. Ein Duschschlauch, ein Klo, ein Lavabo. Am Lavabo konnte man einstellen, ob das laue Wasser aus dem Hahn oder aus dem Duschkopf fliessen sollte. Duschen musste man gezwungenermassen sitzend auf dem Klo, eingeklemmt zwischen Klodeckel und Lavabo. Instant-duschen nennt man das wahrscheinlich oder einfach Multitasking: scheissen und duschen gleichzeitig. Das habe ich vorher noch nie gemacht. Der Nicht-Ort hatte auch einen Vorhof, einen Rasen mit einer Holzbank und Sicht auf die Autobahn, auf deren anderen Seite eine backsteinrote Ruine zu erahnen war. Ich habe mir einen lauen Instant-Kaffee mit Milch - Instant-Kaffe kann ich nur mit Milch trinken - und Zucker aus dem Automaten neben der unfreundlichen Dame am Ende des Gangs geholt, und da sass ich nun und fragte mich, wer schon sonst alles auf dieser Bank gesessen hatte. Wer war schon hier im Nirgenwo? Vielleicht war ja noch gar nie jemand anderes da, als die Leute, die in dem Moment da waren, weil ich nie irgendwo anders jemals existiert habe, als hier. Vielleicht sass ich schon immer auf dieser Bank, an diesem Nicht-Ort, in der Hand den weissen Plastikbecher mit dem lauen Kaffee und in mir Erinnerungen, die mich glauben lassen, dass ich an einem Ort ein Leben habe. Kneifen tat zwar weh, aber es nützte nichts. Ich sass danach immer noch am selben Nicht-Ort und wusste nicht, ob ich wirklich war. Ich hätte jemanden anrufen können, fragen, ob ich ein wirkliches Leben habe. Das tat ich aber nicht. Ich fühlte mich irgendwie gut als Instant-Kaffeekorn alleine in der leeren Dose. Wenn es ein ein Nichts gibt, dann muss es da so aussehen wie hier am Nicht-Ort, dachte ich, schlürfte den Kaffee aus und ging zurück in das Zimmer Nummer 128.


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Freitag, 14. November 2008

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40 Längen à 25 Meter

Ich habe mich nicht so gut gefühlt, nicht krank oder so, einfach nicht so fit. Sport würde vielleicht gut tun, etwas Bewegung und abschalten. Ich könnte schwimmen gehen, nach Heimberg ins Hallenbad. Beim Schwimmen kann ich gut die Gedanken an den Alltag ausschalten. Einen Kilometer schwimmen. Das wird bestimmt die müden Geister aus meinem Körper vertreiben. 25 Meter ist das Schwimmbecken lang, 40 Längen, um einen Kilometer zu erschwimmen. Ich springe ab, tauche ins Wasser. Befreiend! Chlorig. Ich öffne die Augen. Ich sehe mit meiner Schwimmbrille lose Haare. Ich denke an die Kinderpisse im Becken und ich sehe Papierfetzchen, undefinierbare Gegenstände - UFOs? Wohl kaum, dann eher U-Bote. Ich schwimme und zähle. Eins, eins, eins... Bei jedem Auftauchen hole ich Atem und zähle eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins, eins... Wenden und zwei, zwei, zwei... Ich vergesse alles, sehe die undefinierbaren Objekte nicht mehr, denke nichts mehr, nur zwei, zwei, zwei bei jedem Atemzug zwei, zwei, zwei und wenden drei, drei, drei...

...neununddreissig, neununddreissig, neununddreissig und wenden, gleich geschafft. Ich spüre das chlorige Wasser. Ich sehe die hässlichen Haare und die U-Bote. Ich denke an die Pisse im Wasser. Die letzte Länge ist eine Qual.


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GabeL-Links,
MesseR-Rechts

„Du hast den Gürtel falsch rum an.“ Sagt Stefan. Den Gürtel kann man falsch anziehen? Das wurde mir noch nie gesagt. „Die Frauen tragen den Gürtel rechts herum und Männer links. Die Hosen, die Hemden, alle Knöpfe sind bei Damen- und Herrenkleidern verschieden herum angenäht.“ Ich habe verglichen. Es stimmt.

Es gibt schon so viele Sachen, über die ich mir am frühen Morgen Gedanken mache - welche Schuhe, welche Schuhe, welche Schuhe soll ich heute anziehen? Wie soll ich noch ein weiteres Problem mit einbeziehen, wie ich den Gürtel anziehen muss? Wenn mir das anerzogen worden wäre, würde das heute wahrscheinlich automatisch gehen. Den Gürtel einfädeln und richtig. Aber jetzt... Jetzt gibt es tausend Fragen... Welche Seite ist die rechte? Oder sagte er die Linke? Und von welcher Seite gesehen ist die linke (oder die rechte) Seite gemeint, von mir aus oder aus dem Standpunkt des Betrachters gesehen? Wenn ich den Tisch decke, denke ich „GabeL-Links, MesseR-Rechts.“ und „Man grüsst mit der rechten Hand.“ Ich fühle die Gruss-Hand und lege das Messer auf die rechte Seite des Tellers - vom Standpunkt (Sitzpunkt) des Essers aus gesehen, meine ich. So schlimm ist meine Rechts-Links-Verwirrung. Ich habe dafür andere Stärken! Ich kann mir zum Beispiel ganz viele Zahlen merken. Mein Kopf ist voller Zahlen, Nummern, Geburtsdaten, Telefonnummern... Die Stärken und Schwächen liegen, wie sie liegen - eher schlecht für mich. Somit zurück zum eigentlichen Problem, der Gürtel. Bis jetzt habe ich den Gürtel einmal so getragen, einmal so. Es ist mir auch schon aufgefallen, dass es verschieden ist, zum Beispiel wenn ich dringend auf die Toilette musste, immer zuerst schauen, auf welcher Seite, mit welcher Hand ich die Schnalle lösen muss. Aber diesen Blick habe ich mir gut antrainiert. Die Kombination Blick-Griff geht mittlerweile schnell und ohne gross darüber nachzudenken. Aber jetzt hat Stefan gesagt, Frauen sollen den Gürtel rechts herum tragen, glaube ich. Also wenn man etwas rechts herum tragen kann, dann muss das Etwas ein Vorne und ein Hinten haben, damit man weiss, was rechts herum gehen muss. Denn wenn es kein definiertes Vorne und Hinten gibt, wie bei einer Schnur, kann man entweder mit dem einen Ende rechts herum oder mit dem anderen Ende rechts herum. Es kommt auf das Selbe heraus. Das eine Ende ist zwar dann links, das andere rechts und umgekehrt, aber das spielt keine Rolle, weil beide Enden gleich aussehen und gleich funktionieren, was man von einem Gürtel nicht behaupten kann. Wenn man mit einem Gürtel - von dem mir nicht per Definition klar ist, was vorne und was hinten ist - mit der Loch-Seite vorne rechts herum geht, ist die Lochseite am Ende links und die Schnalle rechts. Macht man es umgekehrt und geht mit der Schnalle voran rechts herum... Man kann gar nicht mit der Gurtschnalle voran in die Ösen einfädeln... Aber wer sagt überhaupt, dass „rechts herum tragen“ heisst, dass ich rechts herum einfädeln muss? Vielleicht muss auch einfach die Gurtschnalle, die wahrscheinlich ausschlaggebend ist für das „Rechts-herum-tragen“, da ein Gürtel an eine Schlange erinnert. Die Schnalle ist markant, wie ein Kopf, das lange Leder- oder Stoffteil ist der Körper, der Schwanz. Der Kopf ist der Vorderteil (Gegenteil von Hinterteil, was hinten ist) des Lebewesens, folglich muss beim Gürtel die Schnalle vorne sein, das Vorne des Gürtels, der Kopf, eben das Ausschlaggebende für das "Rechts-herum-tragen". Wenn ich also mit dem Gürtelschwanz rechts herum einfädle, habe ich am Ende die Gurtschnalle auf der rechten Seite und trage den Gürtel rechts herum! Aber von welchem Standpunkt aus gesehen ist rechte Seite gemeint? Wahrscheinlich von meinem Standpunkt aus, nehme ich an. Will ich aber den Gürtel rechts herum tragen, so wie es richtig ist? Ich bin von Grund auf ein Trotz-Mensch. Ich trotze dem Wind, der Kälte und ich trotze manchmal auch einfach so, ohne Wind und Kälte. Nun muss ich mir wahrscheinlich jeden Tag überlegen (das mache ich sonst auch, aber weniger definitiv), ob ich trotzig sein will oder angepasst - je nach Tag, je nach Laune, je nach Schuh. Schlussendlich ist die Gürtelrichtung dann mitverantwortlich, was ich für eine Laune habe. Ziehe ich den Gürtel links herum an, stelle ich mich auf einen trotzigen Tag ein, und immer wenn ich aufs Klo gehe, wird mir meine trotzige Laune wieder bewusst gemacht, durch den Schnallenkopf der Schlange, die mich von links unten angrinst, wenn ich die Blick-Griff-Kombination ausführe. Wenn ich meine üble Laune vergessen habe, werde ich spätestens beim Blickkontakt mit der trotzigen Schlange daran erinnert, dass ich heute trotzen wollte. Und ich würde wieder trotzen. Die Schlange beisst sich in ihren eigenen Schwanz - nur ist in diesem Fall nicht nur der Gürtel die Schlange, die sich mit der Kopfschnalle in den Lochschwanz beisst, sondern auch ich bin eine... Ich bin in einem Teufelskreis, und wir sind bei der finalen Frage angelangt: Was war zuerst? Die Laune oder die Gürtelrichtung, das Huhn oder das Ei? Alles nur wegen dieser Gürtelrichtungsregel... Und überhaupt weiss ich eigentlich gar nicht mehr, ob Stefan gesagt hat, die Frauen Tragen den Gürtel rechts herum. Vielleicht war es auch links!


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Donnerstag, 13. November 2008

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